GEYSO20
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Into The Deep Loving Darkness- Tandemführungen zur Ausstellung von patricia kaersenhout im Kunstverein Braunschweig

Kunstverein Braunschweig, Juli und August 2024

 

Die Tandem-Führungen mit Johanna Kranz, Künstlerin von Geyso20 und den Kunstvermittler_innen des Kunstvereins Braunschweig sind wieder ein voller Erfolg.

Die interessierten Besucher_innen tauchen gemeinsam mit dem Team in die komplexe Kunstwelt von patricia kaersenhout ein und diskutieren deren künstlerische Strategien im Umgang mit der Kolonialzeit.

Johanna Kranz sowie Nicola Feuerhahn und Lea Maria Manthei vom Kunstverein Braunschweig, laden die Besucher_innen ein, das vielschichtige Werk der niederländischen Künstlerin zu ergründen. Der Titel ihrer Installation "What A Piece of Work is A Man" ist ein Zitat aus Hamlet, geschrieben von William Shakespeare. Von letzterem sagen Literaturwissenschaftler_innen heute, er habe mit seiner Literatur ein Menschenbild und damit ein Wertesystem konzipiert, in dem sich die Menschen bis heute wiedererkennen. kaersenhout lässt in dieser Videoinstallation aus Glas nachgeformte Büsten von Kolonialherren zerspringen, deren Originale nach wie vor unhinterfragt im öffentlichen Raum stehen. Hier kommt alles auf den Prüfstand. Hält unser Wertesystem, was es verspricht, gilt es für alle oder nur für weiße Westeuropäer? Tradiertes Bildungsgut wird in dieser Arbeit mit kolonialer Vergangenheit konfrontiert und deckt mit einem lauten Knall eine Leerstelle im Bildungskanon auf. Es gibt also viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren.

kaersenhout gibt aber auch die Möglichkeit zur Partizipation. Das Werk "Our Lights Will Outlast Their Flags" gibt den Besucher_innen die Möglichkeit, einen Beitrag zur Bewältigung der Geschichte zu leisten. Die Besucher_innen könen Fäden aus einem Wandteppich herausziehen und sie in die bereitgestellte Schale legen. Die Fäden werden zu einem späteren Zeitpunkt von einem Schamanen spirituell gereinigt. kaersenhout will mit ihrer Kunst keine Gewalterfahrungen reproduzieren. Vielmehr will sie die früheren Gewaltstrukturen benennen, aufbrechen und Raum für unterschiedliche Perspektiven auf die gemeinsame Geschichte schaffen.

Dem Vermittlungsteam gelingt es, alle Besucher_innen mit ins Boot zu holen und für ein Thema zu begeistern, das erst am Beginn der Aufarbeitung steht. Künstlerisch und historisch.