Vortrag von Joseph Lange, Universität Münster
"Vom Geist gezeichnet? Die Künstlerin Georgiana Houghton als Botschafterin der Toten"
Galerie Geyso20, 24. Februar 2026
Von Geistern haben wir alle schon mal gehört. Angeblich können sie in den Wänden poltern, die Gardinen aufflattern lassen oder uns in einem schaurig dunklem Raum auflauern. Aber ein Bild zeichnen? In ihrer transparenten Gestalt scheint dies ein Ding der Unmöglichkeit. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert jedoch, mit der aufkommenden Beliebtheit der Geisterkommunikation, experimentiert man mit verschiedensten Techniken, um genau dies möglich zu machen. Zu diesen Personen zählen vor allem sogenannte Medien. Menschen, die angeblich Botschaften von Geistern empfangen können.
Die Künstlerin Georgiana Houghton (1814-1884) gilt unter den mediumistischen Künstlern der Zeit als außergewöhnliches Beispiel. Zunächst führt sie Experimente mit einer kleinen Holztafel, auch Planchette genannt, durch, an der sie Stifte befestigt und sie über ein Blatt Papier kreisen lässt. Später arbeitet sie auch freihändig. Ihre Hände werden dabei, nach ihrer Auffassung zufolge, von Geistern und Engeln geleitet. Welche Farbe dabei genutzt werden solle und was diese im Werke bedeuten würde, sei ebenso nicht nach ihrem eigenen Ermessen geschehen. Die Entscheidungen würden ihr von jenseitigen Wesen abgenommen werden. Aus dieser vermeintlichen Kooperation entstehen farbenfrohe Werke voller übereinander gelagerter Kringel und Kreise, die von einer starken Symbolsprache geprägt sind. So hat jede Farbe und jede Linie eine eigene Bedeutung. Auch wenn ihre Werke durch den stark abstrahierten, symbolhaften Charakter außergewöhnlich auf das Londoner Kunstpublikum gewirkt haben, scheute sich Houghton nicht, ihre Werke 1871 in einer selbstorganisierten Ausstellung auszustellen.
Wie die Werke und vor allem ihre Herstellungsmethode in der Öffentlichkeit rezipiert werden, war ein Fokuspunkt des vergangenen Fachvortrages von Joseph Lange, der über seine Forschungen bezüglich Georgiana Houghton berichtet. Ein weiterer Akzent liegt auf der Wahrnehmung der eigenen Handlungsfähigkeit der Künstlerin während des Entstehungsprozesses der Werke.
Ein "geistreicher" Abend, mit einem in der Kunstgeschichte bisher kaum behandelten Thema, findet großen Anklang unter den Gäst*innen und Künstler*innen des Ateliers.
Der Vortrag ist ein inhaltlicher Vorbote auf die Frühjahrs-Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, HBK, wenn Studierende und Künstler*innen aus Geyso20 die Galerie Geyso20, gemeinsam mit dem Künstler Thomas Bartels, in eine analoge Wunderkammer verwandeln.
Fotos: Stephanie Harke







